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März/April

AN WEM NEHMEN SIE SICH EIN BEISPIEL?

ANDREAS BÖNTE

ANDREAS BÖNTE, Programmbereichsleiter Planung und Entwicklung beim Bayerischen Rundfunk, bewundert Kollegen, die Schwachen eine Stimme geben:

„Als Journalist nehme ich mir an all jenen Kolleginnen und Kollegen ein Beispiel, die weltweit – oft auch unter Lebensgefahr – für die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit und die Demokratie im Einsatz sind. Es gehört viel dazu, sich überall dort journalistisch zu engagieren, wo diese Grundpfeiler gefährdet sind. Aber auch hier bei uns gibt es Menschen, an denen ich mir sehr gerne ein Beispiel nehme. Es sind jene, die sich mit ihrer Arbeit vor allem für die Schwachen in der Gesellschaft einsetzen und ihnen eine Stimme verleihen.“

GABY SCHUYLENBURG

GABY SCHUYLENBURG, Moderatorin bei Radio Bremen, geht ihren eigenen Weg:

„Je länger ich darüber nachdenke, an wem ich mir ein Beispiel nehme, desto mehr entzieht sich die Fragestellung einer Antwort. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind zu oft hörte: ,Daran solltest du dir ein Beispiel nehmen ...‘ An adrett gekleideten Mädchen, Pünktlichkeit und Ordnung. Zu sein wie andere, weil Dritte das wollen, gefiel mir nicht. Heute imponiert mir durchaus, wenn ein Mitmensch es schafft, Dinge dynamisch voranzubringen und dabei gelassen zu bleiben. Bevor ich mich daran mache, es auf dieselbe Weise zu versuchen, drängt sich aber ein anderer Gedanke dazwischen: ,Du tickst doch ganz anders.‘“

GERALD MEYER

GERALD MEYER, RBB-Anchorman und Moderator des Wirtschaftsmagazins „WAS! – Wirtschaft, Arbeit, Sparen“, ist beeindruckt von Authentizität:

„Als Kind hatte ich Idole, später eiferte ich Vorbildern nach, aber mit den Jahren hat sich diese individuelle Art des Personenkults aufgelöst. Auch weil mancher der früheren Helden nicht halten konnte, was ich mir von ihm versprochen hatte. Heute imponieren mir Menschen, die authentisch sind und um sich selbst nicht viel Aufhebens machen – unabhängig von ihrer Stellung, Bildung oder Popularität. Meist verbergen sich dahinter großartige Typen mit Charakter. Ihnen wäre es unangenehm, nähme man sich an ihnen ein Beispiel. Genau das qualifiziert sie dafür.“

PETER STEFAN HERBST

PETER STEFAN HERBST, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, begeistert sich für große Ideen:

„Sprachliche Klarheit und brillante Formulierungen sollten Ziele eines jeden Journalisten sein. Die Förderung junger Talente und die Bindung ausgezeichneter Autoren gehören für mich zu den wichtigsten Aufgagen eines Chefredakteurs. Für beides steht Theodor Wolff – der Namensgeber des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen. Zeitgenossen verglichen Wolff mit einem Dirigenten, der seine Redaktion beim Berliner Tageblatt wie ein Orchester leitete. Damit ist er für mich ein gutes Beispiel für ausgezeichneten Journalismus und ein Vorbild für einen Chefredakteur.“

KERSTIN BUND

KERSTIN BUND, Wirtschaftsredakteurin der Zeit, lässt sich lieber inspirieren:

„Ein richtiges Vorbild hatte ich eigent lich noch nie. Der Begriff impliziert ja, dass man einer bestimmten Person nacheifert und ihr möglichst stark entsprechen will. Das geht meistens schief und ist ernüchternd. Als Journalist, finde ich, sollte man seinen eigenen Stil entwickeln, eigene Akzente setzen. So wie ein Künstler auch. Aber natürlich gibt es Leute, an denen ich mir ein Beispiel nehme, je nach Bedarf quasi. Wolfgang Uchatius etwa bewundere ich für sein Talent, komplexe Inhalte in eine so wunderbar einfache Sprache zu übersetzen oder Kurt Kister für seine grandiose Beobachtungsgabe. Genauso wie Max Goldt, bei dem Ironie in Texten tatsächlich funktioniert. Als Vorbilder würde ich sie dennoch nicht bezeichnen, eher als Inspiratoren.“

PEER SCHMIDT-WALTHER

PEER SCHMIDT-WALTHER, freier Reisejournalist und Autor, nimmt sich nicht nur journalistische Qualitäten zum Vorbild:

„Journalistisch ist Klaus Bednarz ein Beispiel für mich: ein kritischer, unbestechlicher und stilistisch brillanter Kollege. Er hat Themen aufgegriffen, mit denen er sich oft landesweiter Kritik ausgesetzt hat, ohne Konsequenzen zu fürchten. Reisejournalistisch schätze ich seine packenden Schilderungen, aus denen Kompetenz und Mitgefühl sprechen. Menschlich versuche ich mich an meiner Frau zu orientieren, die so schön Emotionalität und Sachlichkeit mit Instinkt und Durchblick verbinden kann.“

INGE KREUTZ

INGE KREUTZ, Redakteurin beim Trierischen Volksfreund, findet es wichtig, Grundsätze aber auch Visionen zu haben und der eigenen Linie treu zu bleiben:

„Beeindruckt hat mich zuletzt Marion Gräfin Dönhoff – durch die Publikationen zu ihrem 100. Geburtstag im Dezember ist sie neu in mein Bewusstsein gerückt. Sie fand in ihrem facettenreichen Leben jederzeit eine klare Linie, sie zeigte Haltung, ohne in Schubladen zu passen. Diese Haltung war immer auch ihre Überzeugung. Und sie generierte sie aus sich heraus, bedurfte weder der Orientierung an noch der Abgrenzung von anderen: ‚Meine Begriffe, was ich tun möchte, kamen aus meinen eigenen Vorstellungen und weniger, weil ich sagte: Der ist es, so möchte ich auch werden.‘“

HANNES SCHOLTEN

HANNES SCHOLTEN, Chefredakteur von Liebes Land, spricht aus Überzeugung:

„An mir selber. An meiner Lebensgeschichte. Vor allem an den Fehlern, die ich gemacht habe, an den Korrekturen, die daraus resultierten und den Einsichten, die ich daraus gewonnen habe.“

3/10
Rumgefragt